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  • Falk Neumann

Warum noch professionelle Fotografen anheuern?

Seit 1973 wird die digitale Fotografie immer besser und dank Massenproduktion und sich konkurrenzierender Anbieter immer erschwinglicher. Das führte dazu das Unternehmen, Redaktionen aber zum Beispiel auch Private sich mit Equipment eindeckten und anfingen selber zu produzieren.


Im Berreich der Werbefotografie wird die Erstellung von Bildmaterial und Konzepten schon seit geraumer Zeit demokratisch behandelt. Da gibt es Vorgaben von Kunden- oder Agenturseite und während der Fotograf das Bild aufnimmt, welches direkt auf einen Monitor übertragen wird, gibt es oft ein direktes Feedback - nicht selten geäussert von sämtlichen umstehenden Personen. Wenn man jetzt eine Dose Tomaten fotografiert ist das eine gute Möglichkeit, Fehler auszuschliessen und das Maximale aus einem Bild herauszuholen.

Ich weiss das, denn die Food-Fotografie war genau das, was ich zuerst erlernt hatte.

Wenn das Set einmal aufgebaut ist, die Einstellungen gemacht sind und das Licht steht, kann eigentlich jeder mit einem vorhandenem und gesundem Zeigefinger den Auslöser drücken. Warum soll also nicht gleich der Art Director die Kamera bedienen, der dem Kunden gegenüber verantwortlich ist für das Resultat?

Auch bei Hochzeiten hat man doch meist jemand mit einer guten bis sehr guten Kamera im Freundes oder wenigsten Bekanntenkreis.

Journalisten die hauptverantwortlich für den Text sind können doch, wenn eben schon vor Ort, gerade selber ein paar Fotos knipsen.


Es gibt noch unzählige weitere Beispiele.

Wozu also professionelle Fotografen anheuern?

Wie gesagt, Aufnahme dank moderner Technik easy. Bildbearbeitung eigentlich auch.

Also? Warum?

Zunächst hat jeder Mensch besondere Fähigkeiten, die sich meist aber von den Fähigkeiten eines anderen unterscheiden.

Das macht auch den Reiz aus. Wir Menschen ergänzen uns.


In der Portrait-Fotografie versucht der Fotograf eine Vision des Gegenübers zu vermitteln.

Es ist eine Mischform bestehend aus der Sicht des Fotografen, der Eigendefinition des anderen und schlussendlich der Begegnung beider Parteien.

Der Ablauf all dieser Prozesse ist sehr fragil und braucht Einfühlungsvermögen, Erkenntnis und einen grossen Erfahrungshorizont.

Man muss genau wissen was, wie und wann man es tut.

Ähnliches gilt für die Mode-Fotografie. Hier ist Menschenführung und Einfühlungsvermögen unerlässlich. Dabei ist nun der Kontext umfassender.

Man soll sich mit dem Bild identifizieren, man soll es mögen - schlicht soll es zum Kauf anregen. Es geht wiedermal um die Vermittlung eines Gefühls, einer Emotion. Einer sehr klaren Aussage. Um das Beispiel von oben mit dem Foto-Shoot und dem ganzen Team aufzugreifen, geht es um das Erzeugen einer Begierde. Der Weg dahin kann durchaus von einem Team vorbereitet werden. Der eigentliche Akt der Fotografie ist aber unter keinen Umständen demokratisch, sondern im behutsamen Dialog zu suchen.

In der Reportage-Fotografie ist ein sehr waches Auge, gepaart mit Instinkt und sehr schnellen Reaktionen, sowie vernetztem Denken gefragt. Anders als in anderen fotografischen Disziplinen gibt es keine oder nur selten eine Möglichkeit zur Wiederholung. Ist man nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit der bestmöglichsten Perspektive ist der Moment mitunter schon vorbei und das Bild, welches erstklassig hätte sein können, für immer verloren.


Fotografie gibt die Möglichkeit einen Moment einzufrieren. Eine Geschichte zu erzählen. Sich in das Gedächtnis des Betrachters einzubrennen.


Dazu braucht es aber einen talentierten Menschen, der sich ausschliesslich um alle für die Aufnahme wichtigen fotografischen Belange kümmert und kontinuierlich mit den Anforderungen der Gesellschaft und des Marktes wächst.

Wem dieser Text zu lang war dem sei in Kurzform gesagt, dass nur weil man ein Rennrad im Keller stehen hat, nicht einzig allein dadurch bereits das Rennen gewonnen wird.


Falk Neumann www.falkneumannphotography.com

#Portraitfotografie #Modefotografie #Reportagefotografie




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