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  • Falk Neumann

Bildbearbeitung - Wieviel ist zuviel?

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Wahrscheinlich gibt es die nachträgliche Bearbeitung von Bildern genausolange, wie es die Malerei und später auch die Fotografie und den Film gibt.

Vielleicht hat bereits der Höhlenmensch mit Pflanzenfarbe, Kohle oder dergleichen versucht, seine erfolgreiche Jagd auf ein Wildschwein festzuhalten. Möglicherweise glich sein Erstversuch aber mehr einem heutigen Schuhkarton als einem stattlichen Keiler. Also einen Teil wegwischen und dann ausbessern.


Bereits in der analogen Fotografie hat man Bilder recht stark bearbeitet. Allerdings galt es oft eher Bereiche aufzuhellen oder abzudunkeln.

Digital sind in der Bildbearbeitung neben den Grundeinstellungen Kontrast, Schärfe, Helligkeit, Bildrauschen und dergleichen eigentlich keine Grenzen mehr gesetzt. Sämtliche Proportionen des Körpers lassen sich verändern. Dazu glatte Haut, volles Haar, weisse Zähne, weisse Augen... visuelle Schönheitschirurgie - alles wandert Richtung Dauerwerbesendung.


Als Instagram gerade die Herzen der User eroberte, war es noch frei und willkürlich.

Man sah, dass im Vordergrund der Spass stand. Die Bilder aus dieser Zeit waren nicht perfekt.

Heute macht man gefühlte 50 Selfies oder mehr bis man eines auswählt. Ja nicht zu müde, durchschnittlich oder sonstwie unvorteilhaft aussehen.

Irgendwann wird dann endlich ein Bild ausgewählt, mit entsprechender Bearbeitungssoftware korrigiert, aufgehübscht und mittels Filter in die rechte Atmosphäre gedrückt. Nur ist man mit der Bastelei natürlich nicht allein. Fast jeder macht es mittlerweile.


Jeden Tag und jede Nacht kann man sich durch abermillionen von gleichmässigen Bildern scrollen. Dabei ist die Halbwertszeit eines jeden "Snapshots" wahrscheinlich ähnlich lang wie ein Herzschlag. Das monsterhafte Verschlingen von Bildmaterial ist irgendwie gruselig. Mehr noch: Man lernt, immer mehr Bilder in immer kürzerer Zeit zu verschlingen, ohne sie wirklich zu sehen.

Kann man diese kastrierten und massakrierten Bilder noch von denen unterscheiden, die weitaus mehr Informationen und Inhalt bieten als "schaut her, ich bin sexy und mir geht's gut"?


Zurück zur Bildbearbeitung im allgemeinen kommend, ist es wichtig, eine feine Balance zu finden. Ein bisschen zuviel, schon ist die Seele des Bildes verloren.

Aber tatsächlich können die modernen Programme bei vorsichtigem Einsatz dazu dienen, die Bildwirkung noch zu verstärken. Dazu braucht es viel Erfahrung und Gefühl. Schlussendlich gilt es, nicht die Inspiration, die Aussage, den Mut oder die Zärtlichkeit der Fotografie anzugreifen.

Wäre der Höhlenmensch mit den heutigen Anforderungen konfrontiert, käme er vielleicht gar nicht mehr zum jagen.







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